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5. Juli 2008 - Beethovengala

Presse-Dienst für Kultur (PDK), Atemberaubend spritzige Eleganz in der Bad Kissinger Beethoven-Gala - Dr. Hermann Greiner

Seit bereits 23 Jahren wird im fränkischen Bad Kissingen der sogenannte Kissinger Sommer begangen. In dieser Zeit bekommt der Musikliebhaber in dem beschaulichen und gleichzeitig lebhaften Weltbad an der Saale hochkarätigen und abwechslungsreichen Kunstgenuss geboten, da es den Veranstaltern immer wieder gelingt, berühmte Solisten und bedeutende Ensembles für ihr sommerliches Musikfestival zu gewinnen.
So konnte man am Samstag, 5. Juli 2008 der "Beethoven-Gala" mit dem Budapest Festspielorchester unter Iván Fischer mit den Brüdern Capuçon und Lars Vogt im schmucken Max-Littmann-Saal beiwohnen.
Die Beethoven-Gala stellte als "amuse geule" das Notturno op. 40 von Antonin Dvorák an den Beginn des Programms: Ein nettes, nur vom Streichorchester vorgetragenes Entrée – ein von Dvorák selbst bearbeiteter langsamer Satz aus einem früheren Streichquintett –, das mit apart raunenden Streicherklängen sehr dazu angetan war, die Spannung auf den weiteren Konzertverlauf zu erhöhen.
Da war zunächst das Tripelkonzert C-Dur für Violine, Violoncello und Orchester op. 56 von Ludwig van Beethoven. Ein absoluter Glücksfall: Nicht nur, dass man dieses wegen der enormen technischen Schwierigkeiten für die Solisten der Streichinstrumente und der ausgefallenen Besetzung selten zu hörende Werk wieder einmal geboten bekam, sondern dass die Interpretation durch die Brüder Capuçon (Violine und Cello) und Lars Vogt (Klavier) von einer ebenso musikalisch mitreißenden wie technisch souveränen Brillanz war, dass einem manchmal schier der Atem stockte.
Dass die beiden Brüder sich jenseits ihrer stupenden Virtuosität durch ein traumwandlerisch sicheres Zusammenspiel auszeichneten, konnte nicht überraschen. Doch auch Lars Vogt fügte sich nahtlos, als wäre er der dritte Bruder, in diese Tripelrunde ein. Der Cellist Gautier Capuçon verdient allerdings noch eine Extraerwähnung, denn er meisterte den berüchtigt schwierigen Part mit dermaßen atemberaubend spritziger Eleganz und Bravour, dass man ihm seine mitunter narzistische spielerische Gestik überhaupt nicht übelnehmen konnte.
Das Budapest Festspielorchester agierte als ebenbürtiger orchestraler Partner hinsichtlich des Temperaments und der Beschwingtheit der Solistengruppe. Ein schwungvoller Gestus prägte dann auch die Interpretation der nach der Pause folgenden 4. Sinfonie B-Dur, op. 60 von Ludwig van Beethoven. István Fischer gestaltete die apollinische Leuchtkraft dieses Werkes mit luzider Transparenz, kräftigen Akzenten und lebhaft markierten Rhythmen. Nach dem Scherzo mit seinen hemiolischen rhythmischen Raffinessen entfachte dann der rasant präsentierte Schlusssatz (Respekt vor der Virtuosität des Orchesters!) endgültig Champagnerlaune.
Den Korken ließen der Dirigent und sein Ensemble dann aber mit der Zugabe von Leroy Andersons "Plink plank plunk" knallen. Das Publikum bedankte sich bei Solisten und Orchester mit frenetischen Beifallsstürmen.