Themen

Komponierte Weltanschauung - Missa Solemnis - Fidelio - Neunte Symphonie

250 Jahre nach Ludwig van Beethovens Geburt ehrt der Kissinger Sommer den Komponisten als Europäer und als freiheitlich-demokratischen Künstler. Seine drei großen bekenntnishaften Werke, die Missa solemnis, die Symphonie Nr. 9 und die Oper „Fidelio“, führen wir im engen Fokus einer Festivalwoche auf.

Die Gedanken und Ideale der französischen Revolution, die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, die Schlagworte „Freiheit“, „Rettung“ (vor Verfolgung und Gefangenschaft) und „Brüderlichkeit“ ziehen sich durch Beethovens Werke und Briefe wie ein roter Faden. Die Rettung vor dem gesichtslosen Tod zum Seelenheil und zum ewigen Leben ist der Kern des Mess-Ordinariums, das Beethoven in seiner Missa solemnis vertonte. Wie um dem Dogma des Kirchentextes eine persönliche Bedeutung hinzuzufügen, formulierte er die bekannte Widmung: „Von Herzen – Möge es wieder – Zu Herzen gehn!“

Für den Dirigenten Paavo Järvi sind besondere Projekte wie diese Missa solemnis eine wichtige Ergänzung zu den „normalen“ Konzerten, und der Kissinger Sommer versucht immer wieder, seinem Festivalorchester solche hochkarätigen Projekte zu ermöglichen.

Das zweite monumentale Werk, das sich als komponierte Weltanschauung begreifen lässt, ist die Symphonie Nr. 9. Der Schlusschor auf den Text von Friedrich Schiller hat eine sehr idealistische Aussage: „Alle Menschen werden Brüder“. In Beethovens Vertonung die Melodie der heutigen Europahymne, vor allem aber ein Ideal, das uns selbst in politisch chaotischen Zeiten ein Ziel gibt.

Dieses idealistische Projekt ist ganz bewusst international angelegt. Ein Orchester aus Bremen mit einem estnischen Chefdirigenten hat 2010 mit einem Beethoven-Symphonien-Zyklus bei den Salzburger Festspielen einen neuen Maßstab gesetzt und gilt seitdem international als Referenz-Klangkörper für diesen Komponisten. Ein französisches Orchester, das sich mit den historischen Klangbildern Europas zur Beethovenzeit beschäftigt, schließt den Zirkel: Le Cercle de l’Harmonie, eines der erfolgreichsten Originalklang-Ensembles für die Musik des Jahrhunderts zwischen Gluck und Wagner, ist gewissermaßen ein Ensemble der historischen Globalisierung. Es beherrscht die nationalen „Schulen“ Deutschlands und Frankreichs, die im Wien des frühen 19. Jahrhunderts zusammenfanden und Beethovens Stil prägten.

Ergänzt werden die beiden „großen“ Konzerte durch ein Projekt des Kissinger Zukunftslabors. Unter dem Titel „Leonore“ / „Fidelio“ 2020 erarbeiten wir mit Kindern und Jugendlichen eine neue Fassung von Beethovens einziger Oper, die gemeinsam mit professionellen Musikern am 18. und 19. Juli im Kurtheater aufgeführt wird (s. Seite 93).

Im Rahmen des Projektes „BTHVN 2020“ zum Beethoven-Jubiläumsjahr unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier fördert der Bund dieses dreiteilige Konzertprojekt des Kissinger Sommers.

Konzerte:

11.7.2020   Festivalorchester
18.7.2020   „Leonore“ / „Fidelio“ 2020
19.7.2020   „Leonore“ / „Fidelio“ 2020
19.7.2020   Abschlusskonzert