Kissinger Sommer 2017

1830 - Romantische Revolution


1830, eine Jahreszahl. Aufbruch in eine Zeit der großen Veränderungen. Revolution in Paris und Brüssel, Aufstand in Warschau, Hambacher Fest und Beginn des „Vormärz“. Drei Jahre nach Beethovens Tod ist die Zeit der Wiener Klassik endgültig zu Ende. Mit der musikalischen Romantik wird das künstlerische Ich stärker in den Fokus gerückt. Das Ich, das oft aus der irdischen Welt flieht, in das „unbekannte romantische Geisterreich“, das der Dichter E. T. A. Hoffmann immer wieder beschwört. Die Liederflut der Deutschen Romantik ist ein Beispiel dafür. Schon in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts hatte der junge Komponist Felix Mendelssohn mit jugendlich-genialen Kompositionen auf sich aufmerksam gemacht. Neben der „Sommernachtstraum“-Musik (1826/1842) und den frühen Liedern („Oder soll es Tod bedeuten?“) spielen wir im Kissinger Sommer 2017 u. a. auch die 1829 begonnene Ouvertüre „Die Hebriden“.


Palastrevolution 8.7.


1830 komponierte Hector Berlioz sein wohl berühmtestes Werk, die „Symphonie fantastique“, und stellte damit die Gattung Symphonie auf den Kopf: Erstmals wurde ein außermusikalisches „Programm“ bestimmend für ein großes, nun ganz subjektives Orchesterwerk. 1830 komponierte Frédéric Chopin seine beiden Klavierkonzerte. Als er auf Konzertreise in Wien und später in Paris war, brach in Warschau der Aufstand gegen die russische Besatzungsmacht los. Als reisender Virtuose war er gezwungen, im Ausland zu bleiben, ließ aber seine persönlichen Erschütterungen angesichts der Nöte seiner Landsleute in seine Kompositionen einfließen. Beispiele hierfür sind die „Revolutionsetüde“ (1831) und die erste Ballade op. 23 (1836).

Der reisende Virtuose ist ein Phänomen jener Zeit. Heute sind Popstars weltweit bekannt, doch der „Vater“ dieser Stars stammt aus dem 19. Jahrhundert. Niccolò Paganini war der erste reisende Musiker, der nicht nur durch seine Spieltechnik, sondern durch seine faszinierende, den Zuhörern dämonisch erscheinende Persönlichkeit Menschenmassen in ganz Europa in den Bann zog. 1830 hörte der junge Robert Schumann ihn in Frankfurt und beschloss, selbst auch ein Virtuose zu werden. Wir dürfen dankbar sein, dass es dazu nicht kam, so dass er sich verstärkt dem Komponieren widmen konnte. Dem Phänomen Niccolò Paganini und seinem Einfluss auf die Musikgeschichte spüren wir im Kissinger Sommer 2017 in zwei Konzerten nach.

Um 1830 stand der Belcanto, der italienische Koloraturgesang, in voller Blüte: Gerade erst hatte Rossini mit „Guglielmo Tell“ die Oper geschrieben, die seine letzte bleiben sollte. Vincenzo Bellini komponierte „I Capuleti e i Montecchi“, wenig später entstanden Donizettis „Lucrezia Borgia“ (1833) und „La Favorita“ (1840). Zwei Belcanto-Programme, eines mit Klavier, eines mit Orchester, holen den Zauber der leidenschaftlichen Stimmen in die Gegenwart zurück. Komponisten wie Carl Maria von Weber, Felix Mendelssohn, Robert Schumann, Frédéric Chopin, Hector Berlioz und viele andere stehen für diese aufregende Zeit, und Sie werden in den Konzertprogrammen immer wieder auf ihre Werke stoßen. Die Flucht des Künstlers aus der Welt wurde zum Gestaltungsprinzip. Komponisten erdachten sich ihre eigene phantastische Traumwelt, die mit der Wirklichkeit nur noch wenig zu tun hatte. Zauber- und Feenwelten, Magie und Märchen beeinflussten immer stärker Oper und Lied, ja sogar Symphonie und Kammermusik. Diese Zeit der Revolutionen und Umwälzungen, der beginnenden musikalischen Romantik, die auch mit dem Beginn des professionellen Kurbetriebs in Bad Kissingen zusammenfällt (der Arkadenbau wurde 1834-38 errichtet), möchten wir im Kissinger Sommer 2017 für Sie erlebbar machen.

Konzerte zum Thema 1830:

16.06.2017 - Eröffnungskonzert
17.06.2017 - Liebeslieder
18.06.2017 - „Goldene Blumen auf zertretenem Feld“
18.06.2017 - Dramatisches Klavierkonzert
19.06.2017 - Wanderer zwischen den Welten
21.06.2017 - Symphonie fantastique
22.06.2017 - Schumann-Lieder
24.06.2017 - Sommernächte
24.06.2017 - Faszinierende Persönlichkeit
25.06.2017 - Weibliche Energie
25.06.2017 - Rheinische Symphonie
25.06.2017 - Große Gefühlsausbrüche
01.07.2017 - Paganini-Fieber
02.07.2017 - Liebe, Treue und Verrat
03.07.2017 - Monologe am Klavier
05.07.2017 - Paganini und die Folgen
06.07.2017 - Rosen und Kanonen
08.07.2017 - Musikalische Absorption eines politischen Schocks
09.07.2017 - „Titania, du lass Musik beginnen“
09.07.2017 - Ein Kissinger Sommernachtstraum
11.07.2017 - Erwachsen geworden
15.07.2017 - Mitternachtsspektakel
15.07.2017 - Kleopatras Tod
16.07.2017 - „Oder soll es Tod bedeuten?“
16.07.2017 - Abschlusskonzert